Archiv der Kategorie: events und tastings

KLAUS ZIMMERLING IM H10

Unbestritten gehört das Weingut von Klaus Zimmerling zur Spitze in der hiesigen Weinszene. Die Handschrift ist in der Region einmalig – seine Weine verknüpfen Feinheit, Textur und Transparenz mit der subtilen Frucht des sächsischen Klimas. Der Jahrgang 2017 stand im Focus der gestrigen Weinprobe – ein Jahrgang der aus meiner Perspektive einen neuen Höhepunkt in der Geschichte des Weinguts markiert. Wer gestern keine Zeit hatte, kann die 17er Weine im Mai bei uns glasweise probieren.

OBJECTS OF RARITY

Zweimal Frankreich war das Ziel einer spektakulären Doppelprobe im September. Dabei standen Jahrgangs-Champagner und alte Händlerabfüllungen aus Burgund im Focus.

Zum Start gab es den jüngsten Jahrgang des Dom Pérignon. Feminin, mit reifer Frucht und zartem Schmelz reflektiert er den warmen Jahrgang 2009 und macht schon jetzt richtig viel Spaß (92). Danach der Prototyp eines neues Konzept-Champagners von Moet & Chandon. Der MC III 001.14 ist kein richtiger Jahrgangs-Champagner sondern ein Assemblage verschiedener Jahrgänge, wobei sowohl Grundweine als auch bereits fertige flaschengereifte Champagner verwendet wurden. Einige Partien durchlaufen also gewissermaßen eine erneute zweite Gärung. Braucht definitiv Zeit und Luft, entfaltete dann ein schönes Zwischenspiel zwischen Reifetönen und floralen Nuancen (93). Kontrovers diskutiert der Jacques Selosse, Blanc de Blancs aus dem Hitzejahr 2003. Komplexe und kraftvolle Nase, leichte oxydative Noten, cremig und opulent – der Stil ist sicher einmalig (94). Genau das Gegenteil der Salon, Le Mesnil Blanc de Blancs 2007. Glasklare Frucht, linear, schlank, fast stahlige Säure, einer meiner Favoriten (94+) Mit Veuve Clicquot ging es dann weit zurück. Der Cave Privée 1979 ist noch erstaunlich vital und zeigt viel Pinot Frucht (92), der Cave Privée Blanc 1982 wirkt da schon wesentlich mürber und hat sicherlich nicht mehr das ewige Leben (90). Beide wurden vor ca. 8 Jahren degorgiert, reiften also rund 30 Jahre auf der Hefe. Dann zweimal Dom Pérignon aus der Oenothèque Collection. Beim in 2013 degorgierten P2 1996 – definitiv einer der ganz großen Champagner Jahrgänge – scheint die Zeit vorüber gegangen zu sein, so jugendlich und kraftvoll ist der Auftritt. Brillante Nase, tolle Substanz und Struktur, damit kann er locker die nächsten 20 Jahre angehen (97). Der P3 1983 – degorgiert in 2003 – dagegen war deutlich am Ende, auch schien die Flasche nicht die beste zu sein (keine Bewertung). Perfekt gearbeitet wie immer der R.D. 2004 von Bollinger. Ausgewogen, komplex und mit der typischen Kraft des Hauses (92).  Gegen die 2006er Bollinger, Vieilles Vignes Francaises aus zwei wurzelechten Parzellen sah er dann trotzdem fast blass aus. Ein Wahnsinns-Champagner mit konzentrierter, geschliffener Nase und irre viel Power, aber auch Feinheit, dazu das Potential für mindestes zwei weitere Jahrzehnte (97). Riesen Potential hat der Krug, Clos d´Ambonnay 2002 definitiv auch. Bei diesem Preis leider ein seltenes Erlebnis, kratzt diese 100%ige Pinot Noir aus einer Parzelle in Ambonnay an der Grenze der Perfektion (99+). Ein großartiger Abschluss einer denkwürdigen Champagner-Probe.

Am zweiten Tag reflektierten wir die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg in Burgund. In dieser Phase waren Gutsabfüllungen noch selten, die Händler gaben den Ton an und hatten Zugriff auf die besten Partien und Lagen. Den Auftakt bildete der Beaune 1966 von Pierre Ponnelle, ein Haus, was heute zum Imperium von Jean-Claude Boisset gehört. Erstaunlich vital für einen Kommune-Wein, nach wie vor mit Frucht, guter Balance und Ausstrahlung (89). Letztere Eigenschaft besaß auch der Moillart-Grivot, Chambolle-Musigny aus dem seinerzeit unterschätzten Jahrgang 1962. Feine Wildfleisch- und blättrige Noten, dazu die Finesse der Appellation (90). Aus dem katastrophalen Jahr 1974 zeigte sich der Léon Violland, Pommard in erstaunlich guter Form und unterstrich das hohe Qualitätsniveau des heute nicht mehr existierenden Hauses. Von Asche, Vervene und Würze geprägt, robust am Gaumen und nach wie vor mit Appeal – viele 1974er dürfte es mit dieser Vitalität nicht mehr geben (87). Vom selben Haus zeigte der Pommard Charmots 1er Cru 1994 die ganze Klasse des Jahrgangs. Reiche Nase, warme Nuancen, Kompott, dazu viel Extrakt und Biss. Wird definitiv noch weitere Jahre auf diesem Niveau halten (91). Aus dem ebenfalls großen Jahrgang 1959 kamen zwei der schönsten Weine der Probe. Der Bichot, Clos de Vougeot strotze mit Kraft und sehr guter Länge, (93), während der Morin, Chambertin Clos de Beze ein irren Mix aus Mokka, Wild und schwarzer Frucht und die für die Lage markante Struktur und Konzentration zeigte (92). Bichot, Corton 1955 war ebenfalls immer noch auf dem Peak, zeigte markantes Tannin und erfrischende Himbeer-Frucht sowie im Finale kalkige Nuancen (93). Alte Vandermeulen Abfüllungen spielen in einer ganz eigenen Liga, so auch der Vosne-Romanée 1947 aus einer perfekten Flasche. Tiefes Rubin (damals wurde den Fässern etwas Port zur Stabilisierung zugesetzt), eine expressive, schon fast spleenige Nase, reichhaltig und texturiert am Gaumen – ein unsterblicher Wein, ganz großes Kino (97). Nicht minder berühmt die Weine von Leroy, wenn auch stilistisch auf einem ganz anderen Feld zu Hause. Der Beaune Grèves 1969 zeigte die typisch feste und doch so elegante Handschrift des Hauses und unterstrich mit seiner Dynamik und Frische den Charakter des eher kühlen Jahrgangs (95). Auch aus 1969 kam der Echézeaux von Drouhin. Wesentlich entwickelter, Noten von Feige und Kaffee, am Gaumen robust und mit Grip – ein solide gearbeiteter Wein (90). Zum Abschluss zwei 76er – ein opulenter und reichhaltiger Jahrgang, in dem es vor allem darauf ankam, diese Power zu balancieren. Warum Faiveley nicht nur heute zu den großen Adressen gehört, zeigte der Clos de Vougeot 1976. Komplex, ein Aromen-Crossover von Leder, orientalischen Gewürzen und Trüffel, perfekt gebaut, mit Dimension (93). Der Jaboulet-Vercherre, Clos de la Roche 1976 verströmte erdig-würzige Nuancen und zeigte sich am Gaumen kompakt und fest (91). Einen wunderschönen Abschluss bildete der Château Chalon 1947 von Jean Bourdy. Ebenfalls noch sehr vital, viel Macadamia-Nuß und Curry, dazu der Jura-typische Säurefaden und Nachhaltigkeit im Finale – ein Historienwein (95).

EIN ERSTER RÜCKBLICK

Seit zwei Monaten sind wir jetzt am Start und für uns war es dank Euch ein phänomenaler Start. Besondere Höhepunkte waren sicherlich die Schwarze Nacht und unsere Masterclass Neuseeland. Zur Ersteren gab es sächsisch-französisches Crossover: charaktervolle Weine von Martin Schwarz aus Meißen trafen auf das „Who’s Who“ unseres Nachbarlandes. Klangvolle Namen wie Ostertag, Tissot oder Perrot-Minot zeigten das Spannungspotential von Riesling, Chardonnay & Co. Dementsprechend wurde intensiv über die verschiedenen Philosophien und Stilistiken der Weinmacher diskutiert. Die Begeisterung kannte keine Grenzen und spontan fiel noch mitten in der Nacht die Entscheidung, dass die „Schwarze Nacht“ im nächsten Jahr fortgesetzt wird.

Eine völlig andere Facette unserer Weinwelt konnte dann zur Masterclass Neuseeland entdeckt werden. Aus dem Land der Kiwis, Maoris und rauchenden Vulkane brachten uns Petra und Hilbert (Vinabonus.de) Weine mit, die einen perfekten den aktuellen neuseeländischen Weinbau in Szene setzten. Abseits des Klassikers Sauvignon Blanc zeigen auch Rebsorten wie Chardonnay, Pinot Noir oder Syrah, welches Potential in diesem noch jungen Weinland steckt. Auch uns überzeugten die Weine, so dass Ihr sicherlich in Zukunft einige Weine im Regal des HERDER ZEHN wiederfinden werdet.

Die nächsten Stationen unserer Weinwelt-Entdeckerreisen sind Ende Juli das Jura und im September das Priorat. Wir können schon heute versprechen, dass auch da die Post abgeht – es lohnt sich definitiv zu kommen. Wer keine Zeit hat, kann Weine aus diesen Regionen natürlich auch außerhalb dieser beiden Abende bei uns probieren. Wir freuen uns schon jetzt auf die nächsten zwei Monate und natürlich auf Euren Besuch. Salut!

ENTDECKE DEINE WEINWELT!

Ab sofort gibt´s im H10 die Explorer Trips. In den Kategorien White Classics, White Freestyle, Summer Feeling und Advanced kannst Du dich im Juni auf die Socken in die weite Welt machen. Semillon trifft Mtsvane, Colares trifft Bordeaux – deiner Entdeckerfreude sind keine Grenzen gesetzt. Also, wann startet Deine Reise bei uns?

REVOLUTION GAMAY

Das Beaujolais ist zurück. Davon konnten sich gestern Abend alle HERDERFARI überzeugen, die mit uns gemeinsam die Reise in die Toskana Frankreichs antraten. Nach Jahren der Depression und totalem Gesichtsverlust – u. a. verursacht durch den Bumerang-Effekt des Beaujolais Nouveau – zeigt diese Region auf beeindruckender Art und Weise, welches Potential in ihr steckt.  Qualitatives Rückgrat sind besonders die zehn Crus du Beaujolais im Norden und Zentrum des rd. 23.000 ha großen Weinanbaugebietes. In diesem Bereich findet man einen bunten Mix an Böden sowie verschiedensten kleinklimatischen Bedingungen. Weinberge mit über 50 Jahre alten Rebstöcken sind keine Seltenheit – mit Gamay hat man dabei einen hervorragenden Terroir-Botschafter zur Verfügung. Getrieben wird die aktuelle Revolution im Beaujolais sowohl durch alteingesessene Betriebe als auch Newcomer. Stellvertretend standen dafür gestern Château Thivin und die Domaine Mee Gordard. Beide Betriebe produzieren Weine mit Substanz und Tiefgang, dass einem die Spucke wegbleibt. Dazu besitzen sie Anmut und Finesse – selten gewordene Attribute in unserer auf Konzentration und Power getrimmten Rotweinwelt. Fazit: Beaujolais ist der HERDER-Rotwein des Sommers. Überzeugt Euch!

TOUJOURS PROVENCE

Die erste Weinreise im HERDER ZEHN am vergangenen Freitag war ein voller Erfolg. Über dreißig Provence Lover verließen für einige Stunden die Bergstadt und wandelten in einer der schönsten Weinlandschaften unserer Welt. Unser Guide war Anne Poniatowski, eine der Inhaberinnen von Mas de la Dame. Mas de la Dame liegt im Herzen der Provence, unweit des malerischen Dörfchens Les Baux de Provence und gehört seit Jahrzehnten zu den führenden Weingütern in der Region. Bereits in den Achtziger Jahren erfolgte die Umstellung der Weinberge auf organische Bewirtschaftung – weit bevor BIO ein Megatrend auch in der Weinwelt wurde. Bei uns findet Ihr die ganze Palette von Mas de la Dame: duftige Weißweine, strukturierte und lagerfähige Rotweine sowie den kernigen Rosé du Mas. Letzterer war sicherlich einer der Favoriten des Abends – vielleicht wird dieser Wein auch Euer Sommerhit?

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